Trierpilger - Bericht 2007

  1. Tag  Altenahr – Leimbach

In diesem Jahr trafen sich die Trierpilger bereits einen Tag früher als in den vergangenen Jahren. Am 21.09.2007 fanden wir uns um 18:00 Uhr in der Pfarrkirche St. Clemens zu Kaldenkirchen ein, an dem der Firmgottesdienst statt fand. Dies nahmen wir zum Anlass uns gemeinsam auf die diesjährige Trierwahlfahrt einzustimmen. Wie in jedem Jahr stand unser Pilgerkreuz während unseres Aussendungsgottesdienstes am Altar.

Am 22.09.2007 begann unsere Pilgerreise nun endlich richtig. Wir trafen uns um 07:00 Uhr in der Früh voller Vorfreude, Neugier und zum Teil noch relativ schläfrig an der Kirche in Kaldenkirchen. Hier wurden nun wie in jedem Jahr das Gepäck in den Jugendrotkreuzbus inklusive Anhänger gepackt, den unser Pilgerbruder Wilfried wie in jedem Jahr organisieren konnte. Nachdem Wilfried das erste mal bereits ins Schwitzen kam und den Anhänger beladen hatte, fanden wir uns noch mal kurz in der Kirche ein. Wir versammelten uns gemeinsam mit Pastor Schnitzler um den Altar. Freunde, Verwandte und weitere "Fans" aus der Gemeinde nahmen ebenfalls in der Kirche Platz und feierten unseren Aussendungssegen mit. Hier wünschte uns Pastor Schnitzler insbesondere viel Freude, Durchhaltevermögen und gute Füße (für Wilfried, Uschi, Brigitte und Peter natürlich in Gedanken auch einen guten Luftdruck in den Reifen).
Nun ging es ab zu den Autos. Unsere Freunde und Verwandten wurden noch einmal herzlich gedrückt. Wie in jedem Jahr wurden die ersten Kilometer auf der A 61 mit den Autos zurückgelegt. In diesem Jahr gilt unser besonderer Dank Martin Buschmann und Björn Roosen. Diese beiden waren so freundlich und fuhren uns bis Altenahr, so dass wir zusätzlich keine Pkw mit führen brauchten. Ebenfalls gilt ein besonderer Dank Familie Schummers die uns auch in diesem Jahr wieder ihren Bulli für die komplette Pilgerfahrt zur Verfügung stellten.
Ca. eineinhalb Stunden später erreichten wir mit unserem Autokorso Altenahr. Nachdem die ersten Pilgerbrüder und -Schwestern ihren Harnlass auf dem Parkplatz in Altenahr freien Lauf ließen und die ersten Stullen verschlungen waren, versammelten wir uns der Tradition gemäß im Kreis. Die Neupilger Marta, Ilike, David und Fabian versammelten sich in der Mitte des Kreises. Frank, Peter und Stritzel alias Thorsten eröffneten nun auch von unserer Seite her die Pilgerfahrt mit wenigen aber herzlichen und warmen Worten. Nun wurde Berti als Lebensältester das Wort übergeben. Er machte die Neupilger auf verschiedene Traditionen innerhalb unserer Pilgergruppe aufmerksam, insbesondere auf den Umgangston untereinander, nämlich das "DU". Nun begann die Vorstellungsrunde aller Teilnehmer und die erste Statio begann. Im Anschluss wurden die Rucksäcke geschultert und nun waren erstmalig die Füße gefragt, denn ab jetzt ging es für die meisten zu Fuß weiter. Während die Fußpilger bei bestem Sonnenschein losgingen, fuhren das Küchenteam (Brigitte und Uschi), Berti, Peter und Wilfried Richtung Quartier um dieses für den Abend vorzubereiten.

Die erste größere Pause der Fußpilger fand wie in jedem Jahr in Rech statt, einem kleinen verschlafenem Weindorf in der Eifel, welches kurz vor dem Aufwachen stand, denn in kürze fand hier wieder das traditionelle Weinfest statt, welches Rech zum Leben erweckt und Weinfreunde aus der ganzen Welt anzieht. Auf dem Dorfplatz war hierzu bereits eine Bühne aufgebaut worden, auf der wir uns während der Pause Breit machten, wobei hier Breit im Sinne von Platzeinnehmen gemeint ist und nicht im Sinne von Weinprobe.
Die ersten Pilger waren bereits von der Sonne müde, welche in diesem Jahr mit voller Kraft vom Himmel schien. Senore Lachmann hatte bereits die Beine seiner Hose abgetrennt und eine erste Röte machte sich auf seinen Beinen breit.  Die meisten von uns nutzten die Pause um sich mit Sonnenmilch und weiteren Mitteln zu dopen. Kluschi, Christina, Marco und Schatti zauberten aus ihren Rucksäcken ein riesen Buffet hervor und bauten dieses auf der Bühne auf. Es gab unter anderem Frikos, Möhren und Gurken. Nachdem wir uns alle gestärkt hatten, ging es weiter. Es war nun so weit. Der erste Berg musste erklimmt werden. Bereits am Fuße des Berges wünschte sich der Ein oder Andere ein Sauerstoffgerät.

Bei der zweiten Pause, wo unser traditionelles Fußballwettbüro eröffnet wurde, stieß dann auch unser Versorgungsteam samt Anhang wieder zu uns. Berti war mal wieder zu jeglichen Späßen zu haben und ließ es sich nicht nehmen, die Lacher seiner Mitpilger durch das Fahren auf einem Dreirad, welches am Wegesrand stand, auf sich zu ziehen.

Unser heutiges Quartier lag zum ersten mal in unserer Pilgergeschichte in Leimbach. Dies hieß, dass wir alle den Weg noch nie gelaufen waren, außer unserem Vortrupp. Da diese dies zu einer Zeit taten als Schnee lag, waren diese sich auch nicht mehr sicher. Dies führte dazu, dass es an fast jeder Kreuzung zu Beratungsgesprächen des Vortrupps kam. Wie sicher sich diese waren wurde uns allen klar, nachdem Peter uns eine baldige Pause an einem See versprach, an dem mehrere Bänke stehen sollten. Der See entpuppte sich zu einem Teich und weit und breit war nicht eine einzige Bank zu sehen.
Die erste Etappe wollte und wollte nicht enden. Beine und Füße fingen an zu schmerzen und die Sonne knallte unentwegt vom Himmel herab. Gegen 16:45 Uhr entschied sich Christina ins Gebüsch zu springen um sich dort ein wenig zu erleichtern. Als sie aus dem Gebüsch kam, wies ihre Hose auf einen sehr hohen Feuchtigkeitsgrad in dem Gebüsch hin. Auf gut Deutsch, sie hat sich vor das Hosenbein gepinkelt, was zu starkem Gelächter bei uns führte. (Schadenfreude ist irgendwie  die Schönste) Christina dementierte dies jedoch und gab als Begründung einen Bachlauf an, der ihr die Hose benässte. (Ich habe zwar noch nie gehört, dass sich jemand zum Pinkeln in den Bachlauf setzt, aber wir wollen ihr natürlich glauben.)

Auf dem letzten Stück zum Etappenziel riss die Pilgergruppe auseinander. Dies führte dazu, dass die ersten Pilger bereits am Quartier angekommen waren, während die anderen noch tapfer unterwegs waren. Jana, Anne, Ilike, Fabian, Marta, Berti, Dietrich, Stefi, Eva und Else waren so im Gespräch vertieft das sie glatt am Etappenziel vorbeiliefen, sie dies jedoch sehr zeitnah bemerkten und letztendlich doch Gesund aber ein wenig erbost ankamen.

Das Quartier entpuppte sich als wahres Luxushotel, verglichen mit Dümpelfeld, wo wir sonst am ersten Tag schliefen. Die Küche erfreute unser Küchenteam enorm, der Schlafplatz war sehr großzügig, die Keramikabteilung wunderbar und die Duschen ein Paradies. Eins stand fest, hier werden wir in Zukunft immer den ersten Tag verbringen.

Zu Abend gab es ein hervorragendes Essen. Geschnetzeltes an Klößen gebettet in Erbsen und Möhren und zu guter Letzt wurde unser Gaumen mit einem Joghurt gestreichelt. Exzellent. Hier bekam Benny ein T-Shirt überreicht, da er in diesem Jahr zum 10. mal dabei war.

Nachdem die sanitären Anlagen und die Duschen ausgiebig genutzt wurden, machten sich die meisten Pilger auf den Weg um Leimbach zu erkunden. Es dauerte nicht lang und es wurde ein schönes Plätzchen in einer niederländischen "Biker-Kneipe" gefunden.
Ein geselliger Abend, welcher ganz im Zeichen des Glaubens stand, sollte stattfinden. Martin hatte sein Pfingstfest, da er in sämtlichsten Sprachen kommunizierte. Unvergessen seine Aussage: "Ik kant believe it!"
Gegen Mitternacht waren alle zurück im Quartier und während alle sich die Zähne putzten, fiel Benjamin ein, dass er noch ein Brötchen in seinem Rucksack hatte und er dieses auf alle Fälle noch verzehren musste. So stand er kauend neben den Anderen am Waschbecken.

Fazit des Tages: Der Heilige Geist war unter uns!

2. Tag: Leimbach - Daun

Der zweite Tag sollte vom Wetter her noch besser und schöner werden, als der Erste. Unter blauem Himmel pilgerten wir nach einem ausgiebigen Frühstück mit Sonntagsei wieder quer durch die Eifel. Unser erster Rastpunkt sollte traditionell am Nürburgring stattfinden. Allerdings nicht mehr wie gewohnt am Tribüneneingang, sondern direkt an der Piste.
Es war für alle ein hartes und langes Teilstück. Unterwegs erlebten wir einige kuriose Dinge, wie z.B. einen abstürzenden Notarztwagen. Diesem verhalfen einige von uns wieder auf den richtigen Weg. Wie schon erwähnt, knallte die Sonne sehr stark und die anstrengenden Steigungen ließen viele zu Quengeln beginnen. Jeder wollte wissen, wie weit es denn noch bis zur ersten Rast wäre, worauf "Tom Tom Stritzel" und Thomas L. genervt jedesmal nur noch mit 10 Minuten antworteten. Diese 0815 Zeitangabe sollte die Wallfahrt von nun an wie ein roter Faden durchziehen.
Ein kurzer Verschnaufer wurde uns vom Triumvirat auf einer Brücke über dem Nürburgring gestattet. Die Aussicht war aufgrund eines 2-Meter hohen Sichtschutzes ein wenig beschränkt. Auch Dietrich konnte uns hierbei nicht weiterhelfen, da er seinen 10er-Schlüssel zum Demontieren dieser Verblendung vergessen hatte.
Die Unterhaltungen wurden immer schwieriger, da das Motorenaufheulen der heißen Flitzer ohrenbetäubend war.
Zur Erleichterung Vieler und gefühlten 100.000 km, erreichten wir endlich das erste Mal unser bereiftes Begleitteam. Die vorgesehene Statio wurde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, da die Akustik immer noch nicht besser war.
Nach kurzer Stärkung begaben wir uns auf das nächste Teilstück in Richtung Kehlberg, wo wir wieder mit Leckereien aus dem Hause Stapper & Buschmann verwöhnt werden sollten. Hier schonmal ein dickes Dankeschön für Mupphins und Nussecken.
Unterwegs ließ Thomas den Schülerlotsen raushängen und machte gegenüber den jungen Mädchen den Obermacker. Beim Überqueren einer viel befahrenen Bundesstraße riskierte er sein Leben, indem er sich todesmutig auf die Straße stellte und die Autos zum Halten aufforderte. Anne, die gemütlich und sich von nichts aus der Ruhe bringen ließ, stoppte dennoch am Fahrbahnrand. Thomas ermahnte sie mit ein paar ruhigen Worten, die man sicherlich noch heute zwischen den Alpen erschallen hört. Der genaue Wortlaut ist leider hier nicht mehr wiederzugeben.
In Kehlberg angekommen, gab es die versprochenen Köstlichkeiten.
Die Füße schmerzten immer mehr und in Tony´s Hose fing es an zu pochen. Damit hier keine Gerüchte aufkommen, er hatte sich einen Wolf gelaufen.
Nach einer halben Stunde ging es wieder weiter. Während alle ihre Seele baumeln ließen, stieß Verena einen Todesschrei aus, der selbst dem Papst die Falten aus den Socken schoss. Auslöser des Schreis war eine Eidechse, die als Maus getarnt war.
Über die Statio am Afelskreuz ging es weiter nach Hörscheid, wo wir an diesem Tage das letzte mal auf den Bus treffen sollten. Wilfried wartete schon einige Minuten auf uns und seine Anwesenheit dort war für einige Fußkranke und Kluschi, der unter verhärteten Waden litt, sehr wichtig. Benny stöberte in seinem Rucksack und fand ein kleines Bötchen, welches er sofort zum Einsatz auf dem Springbrunnen kommen ließ.  Die Übergebliebenen machten sich nach kurzer Verschnaufpause auf die letzten Kilometer Richtung Etappenziel Daun.
Verspätet, aber dennoch mehr oder weniger gesund, erreichten wir unser Quartier. Nicht viel Zeit zum Verschnaufen ließ uns das Küchenteam, da das Essen, es gab leckere Nudeln an Hack und Soße, so gut wie fertig war. Leider ließ es die Zeit nicht für alle zu, den Sonntagsgottesdienst zu besuchen. Jedoch hielten wir noch eine etwas größere Statio vor dem Abendessen.
Während das Reinigen diverser Körperstellen begann und Tony seine "Eier" kühl legte, hatte Wilfried seinen besten Mitarbeiter Roman vom Bahnhof abgeholt. Das mit dem besten Mitarbeiter sollte jedoch am nächsten Tag nicht mehr aktuell sein. Aber dazu später mehr.

Nachdem nun alle wieder gut dufteten und sich Roman noch sieben kg Nudeln und Eier reinstopfte, machten sich einige Pilger auf dem Weg Richtung Metaller, der wie jedes Jahr als Pilgertränke diente. Im ersten Trupp waren Schatti, Kluschi und weitere vier Apostel. Sie teilten uns eine erschreckende Nachricht nach kurzer Zeit mit. Metaller hatte geschlossen und zwar für immer. Dies gab der Stimmung, insbesondere bei Benny und Roman, einen enormen Knick. Das ganze Jahr freute man sich auf Herrn Metaller und dann so etwas. Benny schnappte sich sofort seinen Telefonjocker und rief die Auskunft an, die ihm jedoch nicht weiter helfen konnte. Dann kam der Lichtblick. Kluschi, Schatti und die anderen vier Apostel haben in einem Kino herausbekommen können, dass der Metaller doch noch existierte, nur an einer anderen Örtlichkeit. Übrigens im Zuge des Erfragens nach dem Metaller übersah Kluschi ein Drahtgeflecht und lief gegen diesen. Aua! Nach dem die Hoffnung auf Metaller doch noch wieder aufblühte wurde erneut mittels Telefonjocker ein Taxi geordert und fünf Mann machten sich auf den Weg. An der neuen Örtlichkeit nun endlich angekommen mussten wir mit Tränen in den Augen feststellen, dass der Metaller zu hatte. Unser einziger Trost war, dass der Taxifahrer schöne Grüße an unseren sehr guten Freund Metaller ausrichten sollte.
Kluschi, Tony, Roman und Benny entschlossen daraufhin, in einer anderen Tränke einzukehren. Dort wurde bis spät in die Nacht getuppt und der Abend war doch noch gerettet.  Nach dem die vier lustigen fünf entschlossen zu gehen, wurde ihr Weg aus der Kneipe durch eine etwas ältere Frau versperrt, die augenscheinlich mit dem Barhocker an der Theke verwachsen war. Diese Frau wollte zunächst Tony vernaschen und anschließend alle vier. Da uns in diesem Sinne die Nächstenliebe jedoch zu weit ging, lehnten wir in einem länger andauerndem Gespräch ab und kehrten ohne Sünden zurück zum Quartier.

Fazit des Tages: Die Hoffnung stirbt zu letzt!

3. Tag Daun - Binsfeld

Am nächsten Morgen packten wir wie gewohnt wieder unsere Sachen zusammen, es wurde gemeinsam gebetet und gefrühstückt. Einer packte jedoch noch nicht zusammen und das war Tony. Dies wiederum hatte zur Folge, das Marco, das alte Schlitzauge, drei Taschen auf Tony abstellte.
Nach dem alle mit dem Butterbrotschmieren fertig waren und diese in den Rucksack verstaut waren, ging es wie in jedem Jahr die ersten Kilometer mit den Bullis los. Wir wurden an der uns bekannten Stelle abgesetzt und von nun an hieß es wieder: Füße tragt uns.
Die ersten Meter verliefen wie an fast jeden Morgen sehr ruhig, da die einen noch mit ihrer Müdigkeit zu kämpfen hatten, die Anderen unter Kopfschmerzen litten und wiederum andere erst einmal ihre Füße einlaufen mussten. Auch heute ging es wieder gut bergauf. An der ersten Statio wurden wir von unseren diesjährigen Montags-Statio-Vorbereitern überrascht. Anne, Marta, Eva und Co teilten selbstgebackene Glückskekse aus. Diese Süßigkeit brachte so manchen Blutzuckerspiegel wieder in den Normalbereich. In den Glückskeksen hatten wir alle den gleichen Zettel, nämlich drei abgebildete Moncicis. Diese stellten folgendes dar: Hören, sehen, fühlen.
Von dort aus ging es weiter in Richtung Hütte. Der Wald spendete uns fiel Schatten, was uns allen gefiel, denn auch heute brannte der Stern wieder ununterbrochen und mit voller Wucht. Als wir endlich an der Hütte angekommen waren, wurde Rast gehalten, denn auch in diesem Jahr ist uns die Hütte kein Schritt entgegengekommen. Nach langem zögern und anstrengenden Überredungskünsten konnte Marco zu seinen alljährlichen Liegestützen hingerissen werden, obwohl er dieses Amt im letzten Jahr abgegeben hatte. Somit war eins sicher, Marco schoss in einemmale soviel Blut in den Kopf, dass wir dachten er platzt gleich. Dieses Phänomen sollte uns heute jedoch am Abend noch mal begegnen. An der nächsten Statio kamen unsere Zettel wieder zum Einsatz, den wir heute Morgen im Glückskeks hatten. Es fand ein angeregtes Gespräch über diesen statt. Bis Manderscheid liefen wir alle wie geschmiert. Hier trugen uns unsere Füße so schnell hin, dass wir auf die Bullis warten mussten. Um nicht in Manderscheid dumm am Park rum zustehen, entschlossen wir den Bullis entgegenzugehen. An einer Tankstelle am Ortsausgang stießen wir letztendlich auf sie. Hier traf nun auch der Spühldienst inklusive Stritzel auf uns, der sich noch eben schnell neue Schuhe gekauft hatte, da seine am Vortag den Geist aufgaben. Ebenfalls war unser Bulli mit Getränken für den Abend voll. In diesem Jahr waren es extra viele, da es zu den Getränken tolle T-Shirts für die Käufer dazu gab. Nach vollendeter Pause hatten wir nur noch eines im Sinn, wir wollten nach Himmerod. Die Beweggründe hierfür waren bei jedem anders. Die einen wollten so schnell wie möglich zu den Bullis, andere brauchten dringend eine Toilette, so manch einer sehnte sich nach warmer Nahrung, aber die meisten von uns wollten zum Zaubersaft. In Himmerod, nach unendlich vielen Kilometern angekommen, konnten wir unseren Füßen eine Pause gönnen. Die meisten von uns stürmten jedoch zunächst den Klosterladen und deckten sich mit Zaubersaft ein. Christina und Marco waren so gierig, dass sie die ersten Schlücke direkt vor dem Klosterladen nahmen. Das Phänomen roter Kopf schlug bei Marco erneut zu. Martin und Tony waren bereits so früh in Himmerod, dass sich diese Beiden sogar eine Gulaschsuppe gönnen konnten.
Von Uschi und Brigitte wurden wir mit Kuchen versorgt und ein Likörchen bekamen wir auch eingeschenkt. Nach erfolgter Stärkung ging es ab zur Statio. Hier erfolgte Überraschung Nummer zwei. Ein jeder von uns musste Bitten oder Danksagungen auf einen Zettel schreiben. Diese wurden dann wieder eingesammelt und jeder musste einen dieser Zettel nun ziehen. Anne nahm sich nun ein Wollknoll, laß ihren Zettel vor und schmiss diesen zu einem Anderen, der wiederum seinen Zettel vor laß. So entstand ein Netz aus Danksagungen und Bitten. Nun ging es weiter und zum ersten Mal auf unserer Wallfahrt begann es ein wenig zu regnen. Doch dies trübte uns gar nicht und so gingen wir frohen Mutes weiter.
Schnellen Schrittes kamen wir über Stock und Stein zu Bertis Kopfstand-Gedächtnis-Kapelle. Hier sollten sich wieder einige geschwächte Pilger von dem Rest der Gruppe verabschieden und fuhren das letzte Stück mit dem Bus. Am Flugplatz vorbei und durch die engen Straßen von Binsfeld erreichten wir mit nasser Kleidung, es hatte stärker begonnen zu regnen, die Mehrzweckhalle, welche für die Nacht unser Quartier sein sollte. Peter schnappte sich schnell den Schlüssel und spielte für die letzten "Anreisenden" Taxifahrer. Aber ganz ehrlich Peter; die paar Schritte hätten die Nachkommen auch noch geschafft. Trotzdem DANKE!!!
Nach einem leckeren Abendessen, diesmal gab es Gulasch mit Reis und Tomatensalat, kümmerten sich Uschi und Berti um die kranken Füße. Zur Betäubung gab es wieder reichlich "Kräutermedizin". Aber natürlich wollte jeder von diesem Gebräu kosten, der Eine mehr, der Andere weniger. Wilfried hatte den Abend seines Lebens. Das Feuer in dessen Hose erlosch, als Roman mit seiner Putzermütze das Raucherarsenal betrat. Wilfried war entsetzt über seinen besten Mitarbeiter, der anscheinend die Fronten vom Elektriker zum popligen Putzer gewechselt hatte.
Im Schlafsaal wurden noch lustige Karten-, Würfel und Geschicklichkeitsspiele zelebriert. Anne und Else verbrachten die Zeit mit dem Entwirren der einzelnen Fäden vom Nachmittag. Dieses war sehr aufwendig und nach scheinbarem Erfolg, zerstörte Thomas die nervenzerrende Aufgabe durch einen sauberen Schnitt mittendrin. Die einzelnen Fetzen flogen wie nichts auf den Tisch. Um sich in der Gunst der Beiden wieder zu steigern, erklärte sich Thomas mit Unterstützung von Marco bereit, die Fetzen nun für sie aufzuwickeln.
Nachdem jeder die nötige Bettschwere erreicht hatte, fand der Abend ein zeitiges Ende.

Fazit des Tages: Putzer sind die schlechteren Handwerker!

4.Tag: Daun - Trier St. Matthias

Der Morgen des letzten Pilgertages sollte schon früh beginnen und nicht jeder von uns hatte die Leichtigkeit aus seinem Schlafsack zu hüpfen.
Wieder hieß es Laudes, Frühstück, Bus bepacken und sich auf den Weg machen.
Wir versuchten das erste Teilstück gut zu überstehen und Benny lenkte uns mit Sprüchen von Bekannten Politikern, welche er auf seinem Handy gespeichert hatte, ab. Doch schon bald waren diese Nebensache. Mit einem gekonnten Karatekick beim Überqueren einer Wildschweingehegeabsperrung setzte Verena die nichts ahnende Christina ausser Gefecht. Beim Erklimmen der Leiter traf Verenas Fuß mitten in das Gesicht von Christina und ihre Brille flog im hohen Bogen davon. Das die Getroffene darauf zu weinen begann ist verständlich, allerdings weshalb Verena plötzlich ebenfalls Tränen vergoss, bleibt uns ein Rätsel. Hut ab jedenfalls vor ihrer Treffsicherheit.
Den Schock überwunden und mit keinen größeren Blessuren, kamen wir den Ü-Eiern immer näher, welche traditionell am Rastplatz Zemmer verteilt werden. Nachdem jeder seine Überraschung hatte ging es über Quinn bis Ehrang ohne größere Vorkommnisse weiter.
Das Wetter wurde zu unserem Glück immer besser. Fettige Fritten und Gammelfleischdöner wurden auf Grund des aufkommenden Hungers mit Genuss verzerrt. Zur Abwechslung wurde in diesem Jahr die Statio hoch oben über Trier gehalten, wo auch wieder ein Gruppenbild entstand.
Ein sonniger Abschnitt führte uns zur kühlen Oase, welche Wilfried für uns darstellte. Mit leckeren Eisspezialitäten aus dem Hause Schöller und Langnese erwartete er uns am Fuße des letzten größeren Anstieges.
In jedem wurde noch einmal der Ehrgeiz geweckt, denn schließlich ist die Aussicht von dort Oben über Trier einfach nur wunderschön und in der Ferne kann man das Ziel der Wallfahrt auch schon erahnen.
Das Fotoshooting der Neupilger auf den erhabenen Löwen sollte nun anstehen. Marta, Illike, Fabian und Dietrich posten mit gekonntem Lächeln in die Kamera. Illike übt besser noch mal.
Anne, die im vergangenen Jahr die Gelegenheit verpasst hatte, ließ sich nachträglich auf dem Löwen ablichten.
Den Durst gelöscht und Toilettengänge erledigt, ging es hinab über die Römerbrücke auf die andere Seite der Mosel.
Wilfried und Benny, der schwer von den letzten Tagen gezeichnet war, kamen uns mit dem Blumenkranz für unser Pilgerkreuz entgegen.
Die letzten Meter standen uns nun bevor und unter Glockenläuten und herzlichem Applaus vieler bekannter Gesichter aus unserer Heimat zogen wir auf den Vorplatz der Matthiasabtei ein. Pater Hubert begrüßte uns mit warmen Worten und geleitete uns mit dem Matthiaslied an das Apostelgrab. Die Neupilger erhielten die Matthiasplakette und Benjamin wurde feierlich für seine 10. Trierwallfahrt mit einer Kerze geehrt.
Nach dem anschließenden Gottesdienst in der Marienkapelle, den Pastor Schnitzler mit Assistenz von Stefan Siemes zelebrierte, und der guten gemeinsamen Erbsensuppe,  verabschiedeten sich die PKW-Pilger mit einem Ständchen. Christina und Thorsten begaben sich bereits schon jetzt auf den Weg nach Hause. Pater Hubert setzte sich zu uns, genoss ein Bier und plauderte über lustige alte Pilgerschichten.

Der Schlafplatz wurde für den Abend vorbereitet. Prof. Dr. Nadelmann Suwandy jagte so manchen Pilger Nadeln in den Kopf, die uns vor Folgeschmerzen der letzten 120 km bewahren sollten. Ein großer Dank an unseren Nadeldoktor.
Im roten Igel wurde wie fast immer geduscht. Während dessen die Herren der Schöpfung vor den Duschen frisch gestylt auf die Damen warteten, durchdrang den roten Igel ein ohrenbetäubender Schrei welchen Anne los ließ: OH Gott!!! Wahrscheinlich bemerkte sie in diesem Moment, dass sie ihr Handtuch bereits im Schlafsaal verloren hatte und sich nun an der Luft trocknen musste. Kluschi und Dietrich bewiesen sich als eingespieltes Team, denn Kluschi dachte an die Hose von Diertrich und Dietrich ans Duschgel von Kluschi. Hervorragend.

Nach dem nun alle gesäubert waren ging es auf zu Lotti. Die ersten von uns hatten Glück, denn sie durften Lotti noch persönlich sehen. Lotti freute sich sichtlich über unseren Besuch und richtete schöne Grüße an unseren Betreuer aus. Mit Betreuer meinte sie Wilfried, den sie ganz tief in ihr Herz geschlossen hat. Danach verabschiedete sie sich von uns, da sie auf Grund gesundheitlicher Probleme gehen musste. Im Laufe des Abends trafen immer mehr von uns ein. Mittlerweile hatte es sich bei Lotti sehr gefüllt und der Abend wurde immer lustiger. Nicht zu letzt, weil Thomas seinen Fußballpott in eine Runde Bier umwandelte und auch Benny auf das zehnjährige eine Runde gab. So wurden auch wir immer voller. Roman entdeckte ein passendes Lied, welches auf der Rückseite eines Bierdeckels stand und so sollte die Schlagerparade losgehen. Benny und Roman sangen aus voller Kehle: "Und dann die Hände zu Himmel..." was den Laden zum Leben erweckte. Der Wirt sprang hierauf sofort an und schmiss eine CD in den Player, welche so ziemlich jeden Schlager und altes deutsches Liedergut wusste. Alle grölten die Lieder dieser unglaublichen "guten" CD. Ein jeder wollte beweisen, dass er mehr Textsicherheit besitzt als die CD und wurde um so lauter. Eines ist sicher: Laut waren wir alle, aber Textsicher schien nur die CD zu sein. So entstand ein Mischmasch aus Wortfetzen und schiefen Tönen wie es besser nicht ging, was Aussenstehende Gäste sehr amüsant fanden. Von Lied zu Lied steigerte sich unsere Gesangskunst bis Herbert Grönemeyer lief. Nun war die Große Stunde der Moors-Brüder. Die Scheinwerfer richteten sich auf Martin und Peter. Die Boxen gaben die ersten Takte an, ähnlich dem Applaus eines gefüllten Fußballstadiums und es ging los. Die beiden sangen im Duett. Jedes Wort stimmte über ein, das Taktgefühl entsprach dem Herz eines 99 jährigen, die Choreographie abgestimmt wie in einer CD von Detlef D. Soost. Wenn Herbert vor Ort gewesen wäre, hätte er vor Freude geweint und gleichzeitig wäre er blass vor Neid geworden.
Nach einem so anstrengenden Abend fielen die ersten müde ins Bett. Ein kleinerer Teil der Gruppe verspürte jedoch enormen Hunger und so wurde kurzer Hand ein Taxi geordert, mit dem Ziel MC Donalds. So wurde das Taxi belagert und der Taxifahrer hatte bereits beim Einsteigen bereut, diesen Fahrauftrag wahrgenommen zu haben. Auf dem Weg zu MC D. wurden noch Benny und Roman eingesammelt, wobei Benny auf dem Kindersitz im Taxi platz nahm und endlich mal einen Sitzriesen darstellen konnte. Noch während der Fahrt wurde von uns in weiser Voraussicht die Rückfahrt beim gleichen Taxifahrer gebucht, der dieser grandiosen Idee zustimmte. Nach unendlich langer Zeit des Hungerns im Taxi, es waren immerhin ca. drei Minuten, wurde MC D. gestürmt. Die Mitarbeiter waren ähnlich erfreut, wie unser bester Freund der Taxifahrer, denn sie standen kurz vor ihrem Feierabend. Pustekuchen, jetzt mussten sie erst mal sieben extravagante Menüs zaubern. Es dauerte nicht lange und es begann eine wilde Fotosecion, die plötzlich und unerwartet durch ein beherztes: "Wir haben Feierabend!" beendet wurde. Mit vollen Mägen und müden Beinen mussten wir feststellen, dass unser bester Freund seine Freundschaft gekündigt hatte und uns selbstverständlich nicht mehr zurück beförderte. Klingt komisch, ist aber so! Und so erreichten auch die letzten müden Pilger ihre Schlafgelegenheit.

Fazit des Tages: Musik steckt in Jedem!

5. Tag: Trier - Kaldenkirchen

Nach einer kurzen Nacht, wir wurden eine Stunde zu früh geweckt (grrrrr), einem guten Frühstück und dem Beladen der Begleitfahrzeuge erhielt die Pilgergruppe den Pilgersegen von Pater Hubert. Im Anschluss wurden noch ein paar Fotos geschossen, der Klosterladen erleichtert und die Pkw besetzt. Auch hier noch mal ein riesen Dank an Buschi, der uns in Trier abgeholt hat. Und so erreichten wir zwar platt aber Froh und Gesund unsere Lieben in der Heimat wieder.

Peter, Martin, Benny, Wilfried und Frau trafen sich bereits am Mittag wieder um die Bullis zu reinigen.

Am Abend besuchten fast alle, zum Teil mit Begleitung, den Abendgottesdienst in der Pfarrkirche St. Clemens in der wir als Trierpilger namentlich erwähnt wurden. Von dort aus ging es zum Haus Galgenvenn, wo wir bei einem leckerem Essen und gut gekühlten Getränken die diesjährige Trierwallfahrt ausklingen liesen.

Fazit des Tages: Schmerzen vergehen, Freundschaften bleiben!

 

St. Clemens, Kaldenkirchen - Kehrstrasse 30 - 41334 Nettetal, - Tel. 02157/811796                                                                          © Achim Bruns