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Trierpilger - Bericht 2006
Vor noch gar nicht all zu langer Zeit, genauer gesagt am 30. September 2006, begab es sich, dass sich in den frühen Morgenstunden 33 mehr oder weniger ausgeschlafene Kreaturen in der Pfarrkirche zu St. Clemens Kaldenkirchen einfanden, um von Hochwürden Benedikt Schnitzler den Aussendungssegen zu empfangen. Dafür gab es verschiedene Gründe: der Großteil hatte wahrscheinlich gerade nichts Besseres zu tun, als sich auf den Weg zum Grab des hl. Apostels Matthias nach Trier zu machen. Andere, die sogenannten Erstpilger, waren wohl auf die Erzählungen der Gewohnheitspilger reingefallen Ätsch!!! Sowohl die beiden genannten Gruppen, als auch die anwesenden Verwandten und Bekannten waren sehr überrascht, welch schönes Orgelsolo sie quasi zum Frühstück von unserem Vollblutorganisten Sebastian dargereicht bekamen.
Nach der Aussendungsmesse und dem Beladen der Busse ging es gemeinsam, verteilt auf drei Busse und drei PKW’s, auf den Weg zum Startpunkt nach Esch in der Eifel. Schon auf den ersten Kilometern wurde der von Wilfried vorzüglich organisierte, fast fabrikneue Rot-Kreuz-Bus durch die üblichen Herren, namentlich Pascal, Roman, Schatti & Co., mit delikat duftenden Hackbällchen getauft. Unerwartete Irritationen entstanden dann in der Weltstadt Esch: eine Baustelle hatte sich plötzlich zwischen uns und den Ausgangspunkt gemogelt, ohne sich vorher anzukündigen. Die Umleitung war sicherheitshalber auch nur in die entgegengesetzte Richtung ausgeschildert, auch wenn die Bauarbeiter da anderer Meinung waren. Letztendlich fanden wir unser Ziel aber doch und konnten mit der traditionellen Vorstellungsrunde beginnen. Berti durfte dieses Mal den Anfang machen wie ungewöhnlich… Bei dieser Runde wurde schnell klar, dass wir bereits jetzt einige Verluste verzeichnen mussten. Christina, Anke und die beiden Stapper-Sisters mussten schon im Vorfeld aus mehr oder weniger wichtigen Gründen ihre Teilnahme absagen. Nachnominiert wurden kurzerhand Lisa, Kerstin und Nicole. Gerüchte, dass dies nur zur Einhaltung der Frauenquote geschah konnten nicht bestätigt werden! Zu erwähnen wäre an dieser Stelle, dass Kerstin, Nicole, Anne, Maik und Tim zum ersten Mal diese Strapazen auf sich nahmen, während Marco und Tony scheinbar auch im zehnten Anlauf noch nicht ihre Lektion gelernt hatten. Stattdessen hatten sie sich sogar extra T-Shirts anfertigen lassen, die auf dieses Jubiläum hinwiesen. Endlich konnte es zu Fuß losgehen. Schon schnell konnte unser Pfadfinder Sebastian eine Abkürzung ausfindig machen, die wir glücklicherweise auch ohne nennenswerte Verletzungen überstanden. Bambi und Feline, die oberhalb unseres Weges in den Felswänden rumkletterten, wurden diesmal auch von mehr als nur einem Augenpaar gesehen. Dabei sind doch die selig, die nicht sehen und doch glauben!
Da Petrus es in diesem Jahr wohl besonders gut mit uns meinte, wollen wir uns an dieser Stelle beim Erfinder der Zipphose bedanken. DANKE!!! Dumm ist es allerdings wenn man mit der Reißverschlusstechnik nicht so vertraut ist. Ohne seine Frau Gemahlin ist da so manch einer ganz schön aufgeschmissen. Bis zur ersten Pause in Rech gab es keine weiteren Verluste mehr zu beklagen. Die Herren Schattner, klein Buschmann und Nisters hatten sich in diesem Jahr den Luxus gegönnt, ein kalt-warmes Büffet aufzutischen, das seinesgleichen sucht. Bei Friko, Würstchen, Salami, Käse, Gurke, Tomätchen, Brot, Senf und Sonne ließ man es sich gut gehen. Nach der zweiten Statio, bei der Hosentaschenzettel verteilt wurden, dessen Inhalt der ein oder Andere bis heute nicht begriffen hat, lag nun die erste Herausforderung vor uns. Wer bisher noch ohne zu schwitzen ausgekommen war musste spätestens jetzt kapitulieren. Es ging den ersten Berg hoch, wobei besonders der Elitesoldat Nikolaus Pascal bewies, dass wir uns im Falle eines Angriffes auf eine durchtrainierte, konditionell sehr starke Bundeswehr verlassen können. Noch bevor wir die Mittagspause in Ahrbrück erreichten ließ es sich Martin nicht nehmen Wanda mit einem von langer Hand vorbereiteten Spruch zu imponieren. Als sie ihn überholte sagte er: „Da haste dich aber schön nach vorne gewandat!“ Ha ha. Das darauf folgende laute Gelächter hatte scheinbar eine Schlange aufgeschreckt, die wohl auf ihrem Nachhauseweg den unseren kreuzte. Entgegen aller Erwartungen blieb das große Geschrei aber aus.
Am Spielplatz in Ahrbrück angekommen stellten wir fest, dass dort ein Dorffest im Gange war. Oder wie nennt man es sonst, wenn sich samstagnachmittags die komplette Dorfjugend (zwei Jungs, ein Mädel) trifft, um genüsslich ein Fässchen zu leeren und dabei gute Musik aus dem Autoradio zu hören? Das sollte uns aber nicht daran hindern hier unseren alljährlichen Fußballtipp zu tätigen, in diesem Jahr aufgrund des Wettskandals allerdings ohne Einsätze. So war es auch nicht weiter tragisch, dass der Tippzettel unter ominösen Umständen abhanden kam. Unsere Truppe war inzwischen auch wieder komplett, da die Fahrer der PKW’s, die ihre Autos nach Trier gebracht hatten, wieder zu uns gestoßen waren.
So ging es frisch gestärkt dem letzten Anstieg des Tages, der Teufelsley, entgegen. Denise hatte sich zwar fest vorgenommen dieses Teilstück als Erste zu bewältigen, aber auch sie musste schnell einsehen, dass dies eine Wallfahrt war und kein Wunschkonzert. Jubilar Marco ließ es sich nicht nehmen sie auf den letzten Metern noch zu überholen. Schade Denise, vielleicht beim nächsten Mal… Wahrscheinlich lag es am noch relativ ausgeruhten Pilger Frank, dass wir das Tempo etwas anziehen konnten und die Teufelsley früher als gedacht, noch vor den Bussen, erreichten. Die Wartezeit konnten wir nutzen um Kindern beim Drachensteigen zuzusehen. Ob wir nun das letzte Stück einen anderen Weg gegangen sind als sonst oder nicht, werden wir wohl nie gänzlich klären können. So oder so sind wir in unserem Quartier in Dümpelfeld angekommen und konnten unser Schlafgemach herrichten. Einige zogen es aber erst mal vor draußen die letzten Sonnenstrahlen des Tages zu genießen und bei einem Feierabendbierchen die Fußballspiele im Radio zu verfolgen. Unser Küchenteam zauberte derweil eine Kreation aus Fleisch und Kartoffeln, die zusammen mit dem Apfelkompott die müden Pilger wieder munter machte. Wer jetzt gedacht hätte, dass es an dieser Stelle „Herr, öffne meine Lippe…“ geheißen hätte, irrt gewaltig, denn nach 15 Jahren wurden in diesem Jahr die Texthefte in Rente geschickt. Vielleicht wäre an dieser Stelle eine Schweigeminute angebracht!? Bevor es dann zum gemütlichen Teil des Abends überging, machte Benny uns die Freude, uns an seiner spannenden Schlafsacksuche Vol. 1 teilhaben zu lassen. Für den Großteil ging es wie üblich noch in die gemütliche Kellerkneipe, wo Marga und Tina bereits die Kegelbahn für uns auf Hochglanz poliert hatten. Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort stand Frank seinem Kumpel Benny in nichts nach und suchte derweil ebenfalls seinen Schlafsack. Als dann schließlich auch die Letzten den Weg zu Nobbi gefunden hatten ließen Roman und Benny bereits die Theke beben und Alten tanzen. Freundschaften des letzten Jahres wurden aufgefrischt und bei guter Musik und Frischgezapftem wurde die Nacht doch länger als gedacht. Nach all den Jahren schafften wir es dieses Mal endlich Ansichtskarten von dieser Kneipe der Extraklasse zu ergattern. Was sonst noch geschah lässt sich am Besten mit dem Motto des Hosentaschenzettels beschreiben: „Willst du mit mir gehen?“
Es wurde Abend, es wurde Morgen, 2. Tag! Nach einer kurzen und unterhaltsamen Nacht begann der Sonntagmorgen mit einem reichhaltigen Frühstück. Um Wilfrieds Zorn zu entgehen zeigte Benny sich für seine nächtlichen Entgleisungen und Segnungen reumütig und entschuldigte sich bei der gesamten Truppe mit einem Rund-um-Grinsen. Roman sicherheitshalber auch.
Gestärkt machten wir uns nach dem Frühstück auf die erste Etappe, die uns entlang der Nürburg bis zur Rennstrecke führte. Dort trafen nach kurzer Wartezeit auch das Versorgungs- und das Küchenteam ein und es konnte weitergehen. Frank, der wie in jedem Jahr wieder nur in Turnschuhen unterwegs war, kam auf die glorreiche Idee eine andere als die gewohnte Route einzuschlagen, um in dem hohen Gras keine nassen Füße zu bekommen. Im Nachhinein muss man sagen, dass dies nicht Franks bester Einfall war, da die Strecke irgendwann in einer Sackgasse endete. Wie gut, dass ein paar alte Hasen es schafften uns wieder auf den rechten Weg zurückzuführen und wir an der bekannten Pausenkreuzung unser zweites Frühstück und die zweite Statio des Tages zelebrieren konnten. Auch das Vorbereitungsteam des zweiten Tages hatte es sich nicht nehmen lassen für die Pilgergruppe Hosentaschenzettel vorzubereiten. Scheint, als wäre hier ein neuer Trend gesetzt worden.
Bis nach Kelberg schafften wir es dann uns nicht weiter zu verlaufen. Bei der dortigen Pause wurden wieder einmal Leckereien aus dem Hause „Buschmann & Stapper“ gereicht. Dafür an dieser Stelle noch mal herzlichen Dank. Frank hingegen zog es vor ein kleines Nickerchen einzulegen. Offensichtlich war der vorherige Weg doch zu lang für ihn gewesen.
Das nächste Teilstück führte uns bei immer noch gutem Wetter zum Afelskreuz, das für uns in diesem Jahr extra noch einen neuen Anstrich erhalten hatte. Die Schlussetappe entpuppte sich als optimale Teststrecke für Windbreaker, herrschten dort schließlich kräftige Böen. Sie endete an einem uns bis dato unbekannten Parkplatz an einer Landstrasse, von wo aus uns die Busse zum Quartier in Trittscheid brachten. Während die meisten die Wartezeit auf die zweite Fuhre nutzten, um nach einem anstrengenden Tag ein wenig in sich zu gehen, nutzte Hauptkommissar Benny sie, um herumliegende große Steine in eine noch größere Pfütze zu werfen. Kein wirklich brauchbarer Ersatz dafür, dass wir in Trittscheid keine Duschen hatten. So mussten wieder einmal zwei kleine Waschbecken dazu dienen die gesamte Mannschaft für das Dinner herzurichten. Rechtzeitig nach Ende der Sonntagspartien der Fußballbundesliga tauchte dann der Tippzettel wie aus dem Nichts auf und kürte Marco zum Günther Netzer der diesjährigen Trierwallfahrt. Die Allgemeinheit ließ den Abend in Ruhe im Quartier ausklingen, eine kleine Minderheit jedoch, nennen wir sie „die Unersättlichen“, zog es noch zu unserem alten Bekannten „Hr. Metaller“ nach Daun. Gar nicht so einfach Wilfried und Buschi zu überreden uns mit dem Bus dort hinzubringen. Hier erfolgte ähnlich wie in Dümpelfeld mal wieder ein reiner Akt der Nächstenliebe. Schließlich sicherten wir dem Metaller durch unser Erscheinen ein weiteres Jahr in seiner Pinte finanziell ab. Ob es aber tatsächlich für die von ihm groß angekündigten Expansionsmaßnahmen gereicht hat werden wir wohl erst im nächsten Jahr erfahren. Leider hatte die Metropole Daun keine Großraumtaxen zu bieten, sodass wir von ein und demselben Taxifahrer in drei Touren zum Quartier zurückgebracht werden mussten. Völlig (un)erwarteter Weise saßen die Kollegen Benjamin und Roman natürlich im letzten Taxi, was sie wohl dazu bevollmächtigte die Autotüren mit viel Gefühl, leise und letztendlich doch mit mächtig viel Schwung ins Schloss fallen zu lassen.
Für Benjamin begann nun der zweite Teil seiner wohl nie endenden Schlafsacksuche. Nachdem geklärt war, dass wirklich niemand in seinem Sack lag, machte er die Anderen durch das Umwerfen leerer Coladosen auf eben diese Tatsache aufmerksam. Gute Nacht Benny…
Es wurde Abend, es wurde Morgen, 3. Tag! Und schon wieder eine viel zu kurze Nacht. Trotz der wenigen Waschmöglichkeiten verlief der Start in den Tag reibungslos. Direkt nach dem Frühstück wurden die Fahrzeuge gemeinsam beladen und die Unterkunft auf Vordermann gebracht. Anschließend konnte sofort vom Haus aus losmarschiert werden. Der neue Streckenteil brachte uns der Eifeler Tierwelt ein ganzes Stück näher, denn er führte uns an einem großen Rehgehege vorbei. An unserer Frühstückshütte angekommen, konnten wir uns an neuen Tischen erfreuen. Auch die Jecken, die hier alljährlich ihre Liegestützen vorführen, mussten sich dieses Mal nicht die Hände an alten, maroden Holzbänken schmutzig machen, denn auch vor der Hütte waren neue Bänke installiert worden.
Von den weiteren Teilstücken über Manderscheid nach Himmerod gibt es keine wichtigen Geschehnisse zu berichten. Am Kloster Himmerod erwarteten uns überraschender Weise ein paar bekannte Gesichter aus der Heimat. Lankes, Schütt, Janz, Kunz & Co. hatten unseretwegen extra ihre Weinprobe unterbrochen. Im Restaurant gab es in diesem Jahr zu unserer Überraschung Mayonnaise, die noch ganze 3 Tage haltbar war und wie immer gut gekloppte Schnitzel.
Dann kam der Regen! Und mit ihm verabschiedete sich unsere Chance auf den wohlverdienten Nachtisch. Denn jetzt hieß es Tempo machen und losmarschieren, warum, tja, das weiß nur der Wind… Beim Kapellchen angekommen wurden die Meisten von den Bussen eingesammelt und auf dem direkten Wege zur Dusche befördert. Nicht persönlich nehmen! So kam es, dass nur einige Wenige in den Genuss der großen unvergleichlichen Putenperformance des Marco N. aus K. kamen. Als diese dann endlich in Binsfeld eintrafen waren die ersten bereits geduscht. Bis zum Abendessen war dann auch der Rest der Truppe wieder frisch und bestens gewappnet für einen gemütlichen Abend. Bevor die ersten Happen aber verschlungen werden konnten hielten wir aber noch ein ausgedehntes Abendgebet ab. Die Gruppe um Denise, die dieses Gebet vorbereitet hatte, dachte doch tatsächlich, dass wir ohne zu proben in der Lage wären ein aktuelles Lied mit abgeändertem Text zum Besten zu geben. Leider war „dieser Weg“ dann wirklich „kein leichter“. Nachdem Würstchen und lecker Salat verputzt waren zog sich der Küchendienst zur gründlichen Spülung zurück Kenner wissen was das heißt!
Zur gleichen Zeit luden Prof. Dr. Uschi und ihr Zivi Berti zur ausgiebigen Blasenbehandlung. Auch hier wurde natürlich auf eine gründliche Desinfektion geachtet. Nun konnte der wirklich gemütliche Teil des Abends beginnen, der wie in jedem Jahr in den Räumen der Mehrzweckhalle ausklang. Neu war in diesem Jahr, dass wir uns nicht nur auf Kartenspielen, Trierbuch lesen und Geschichten erzählen beschränken mussten, nein, es war auch ein neues Spiel mit an Bord. Martin, Sebastian und Tony spielten eine derart nervenaufreibende Partie Jenga, das es Martin nach dem Spiel nicht länger auf den Beinen hielt und für ihn bereits um 21.15 Uhr der Montagabend beendet war. Sein Bruder Peter folgte ihm aufgrund von zu hohem Genuss „Himmeroder Heilwassers“ schon wenige Augenblicke später. So blieb den Beiden leider verborgen, was es mit dem „Eifelsambuka“ auf sich hat und wie man auf die Idee kommt, Pringles und Klosterlikör zu kombinieren. Für alle anderen begann so gegen 22.30 Uhr die Nachtruhe.
Es wurde Abend, es wurde Morgen, 4. Tag! Da Petrus sich uns gegenüber an diesem Morgen recht unbarmherzig zeigte und es die ganze Nacht durchgeregnet hatte, beschloss das Kompetenzteam die Nachtruhe um eine Stunde zu verlängern. So sollte die erste Etappe eigentlich gestrichen werden, was jedoch beim Frühstück auf wenig Gegenliebe stieß. Jetzt stellte sich auch heraus, dass es keine so gute Idee gewesen war den Schummersbus am Vorabend bereits nach Trier zu bringen, da uns dieses Gefährt nun fehlte. So entschied man sich doch vom Quartier aus loszugehen und dem Regen zu trotzen. Um ein wenig Zeit aufzuholen, sparten wir uns die von Frank & Co. sorgfältig vorbereiteten Statio’s und verließen uns wiederholt auf unseren Pfadfinder, sodass wir traditionell auch in diesem Jahr eine völlig neue Strecke durch das Wildschweingehege gingen. Derweil richtete das Küchen- und Versorgungsteam den Binsfelder Vorzeigebau wieder her. Obwohl man sich dafür reichlich Zeit ließ, war man trotzdem noch mehr als eine Stunde zu früh am Rastplatz, wo man wieder auf die anderen Pilger stoßen sollte. Diese geschenkte Zeit nutzten die Meisten für ein Nickerchen. Nicht aber Marco und Roman, die sich stattdessen zusammen mit Berti über den Nudelsalat vom Vortag hermachten. Natürlich dürfen wir dabei nicht Else vergessen, die sicher noch gerne an ihre Begegnung mit Thekla, der Hausspinne, zurückdenkt. Wilfried konnte das alles aber nicht vom Schlafen abhalten und man tut auch gut daran, wenn man das so belässt.
Dann endlich trafen die durchnässten Pilger ein, stärkten sich nur kurz an Tee, Kakao, Kaffee und Überraschungseiern, bevor es ziemlich zügig weiter ging.
Immer den Zeitverzug im Hinterkopf wurde die nächste Strecke bis nach Quint in einem recht hohen Tempo gelaufen, was bei dem Ein oder Anderen für Unmut sorgte. Jetzt musste das Kompetenzteam zum zweiten Mal an diesem Tag eine Entscheidung treffen. Und so wurde beschlossen, dass für alle das Stück von Quint nach Ehrrang mit dem Bus überbrückt wurde, um wieder im Zeitplan zu sein. Außerdem wurde die Pause, die dort normalerweise recht lang ausfällt, weggekürzt, was für einige bedeutete, dass sie auf ihre geliebte Pommes verzichten mussten. Da die meisten Pilger ziemlich durchnässt waren wurde weiterhin beschlossen, dass das nächste Teilstück nur von den halbwegs trockenen Leuten absolviert wurde. Alle Anderen wurden schon mal nach Trier gefahren, damit sie sich dort trockenlegen konnten. So kam es dann leider auch, dass an der altbekannten Aussichtsplattform gerade mal 10 mehr oder weniger verwahrloste Pilger für das Gruppenbild posierten. Hier konnten die beiden Jubilare erstmals an diesem Tag mit ihren neuen T-Shirts angeben, welche speziell für die Ankunft in Trier im Gepäck waren und bisher größtenteils unter den Regenjacken verborgen geblieben waren.
Wieder voll im Zeitplan erreichten wir Biewer noch vor den Bussen, die dafür sorgten unsere Gruppe größtenteils wieder zusammenzuführen. Aufgrund der schlechten Wetterlage ließen wir hier leider das Eisessen ausfallen - äußerst schade! Dafür wurde hier vor einem sehr schön gestrichen Haus das Gruppenfoto nachgeholt. Da es bei weiterhin schlechtem Wetter auf dem Panoramaweg über Trier nicht viel zu sehen gab konnten wir auch hier wieder Zeit gutmachen. Nun warteten schon die Löwen auf unsere Neupilger, in diesem Jahr besonders glitschig. Nach vielen Jahren der Abhetzerei lagen wir dieses Mal auf dem letzten Teilstück, das entlang der Mosel führt, so gut in der Zeit, dass wir es uns sogar erlauben konnten noch zwei Statio’s nachzuholen.
Zum Einzug, wie sollte es anders sein, fing es an zu schneien. Nein, es regnete natürlich wieder nur. Doch die Aussicht, es endlich geschafft zu haben und der Beifall der zahlreich angereisten Verwandten, Bekannten und Fans aus der Heimat machten alle Strapazen schnell vergessen. Pater Hubert empfing uns behütet von einem „heiligenscheingleichen Regenschirm aus der Sissy-Epoche“ und geleitete uns zum Grab des hl. Matthias in die Basilika, die sich nach wie vor im Umbau befand. Nun war es endlich so weit: unsere Jubilare Marco Nisters und André Gerhards, sowie die Neupilger Kerstin Grunwald, Nicole Rosin, Anne Berger, Maik Schmidt und Tim Schlünkes wurden geehrt und mit reichlich Applaus beschenkt. Nach der anschließenden kurzen Messe, die unser Pastor Benedikt Schnitzler hielt, gab es ein gemeinsames Abendessen mit den Buspilgern im Matthiassaal. Von Kartoffelsalat und Würstchen wurden alle satt, sogar der einigen bekannte Busfahrer, der bereits im Sommerferienlager mit seiner Kompetenz brillierte. Schon bald wurden die Buspilger verabschiedet und machten sich auf den Weg zurück in die Heimat. Für alle Anderen hieß es nun erstmal die Tafel zu räumen und sich selbst sowie das Schlafgemach herzurichten. Während sich die Meisten duschten, genügten dem Ein oder Anderen mal wieder nur eine Katzenwäsche.
Bevor es nun aber zu Lotti ging wurde im Matthiassaal noch ein nettes Pläuschchen mit Pater Hubert gehalten. Bei einem Bierchen fielen ihm wieder einige alte Geschichten ein, die er mit uns in den vergangenen 16 Jahren erlebt hatte. So zum Beispiel das Johannes-Paul Peters vor etlichen Jahren beim Einzugssegen so begeistert war, dass er aus den Latschen kippte und mit dem Krankenwagen abgeholt werden musste. Endlich bei Lotti eingekehrt wurde von uns erstmal die Einrichtung umgestaltet, damit wir alle zusammensitzen konnten. Auch Dirk „Eule“ Jansen, der nach wie vor in Trier studiert, schaute mit seiner Freundin vorbei. Nachdem die etwas überforderte Bedienung alle mit Getränken versorgt hatte wurde auch schon die nächste Runde bestellt, diesmal auf Kosten des Jubelpaares. Marco und Tony trugen mit stolzer Brust die T-Shirts, die sie von den anderen Pilgern beim Abendessen geschenkt bekommen hatten. So wurde sich hier noch nett unterhalten und bei zahlreichen Bierchen die letzten Tage noch einmal resümiert. Bevor es aber in den wohlverdienten Schlaf ging trugen die meisten müden Füße ihre Peiniger noch einmal über die Mosel zum goldenen „M“. Auch hier werden von Einigen Jahr für Jahr gewisse Rituale zelebriert, welche in diesem Bericht aber besser nicht genauer beschrieben werden. Ob man diesen „Haltsmaulburger“ seinen Freunden oder doch besser seinen Feinden empfehlen sollte, muss jeder für sich selbst herausfinden. Vielleicht konnte er aber nur nicht mit dem vollmundigen Geschmack der Siegerzigarre mithalten.
Zurück in der Unterkunft legte sich Tony sofort in den Schlafsack, der auf seiner Matratze lag und schlief innerhalb kürzester Zeit ein. Es dauerte aber nicht lange, bis er wieder kurzzeitig von Anne, Else und Nicole geweckt wurde, die ihn vergeblich versuchten zu überzeugen, dass dies nicht seiner, sondern Annes Schlafsack war, in dem er lag. Glücklicherweise konnte Else aber Abhilfe schaffen, da sie noch einen zweiten Schlafsack dabei hatte.
Am nächsten Morgen hatte Benny dann sichtlich Spaß daran, festzustellen, dass sein von langer Hand geplanter Schlafsackgag gelungen war. Tonys Schlafsack befand sich lediglich unter der Luftmatratze, auf der er aber dennoch hervorragend genächtigt hatte. Zum Frühstück gab es wie in den letzten Jahren „frische“ Brötchen, die diesmal leider etwas zu knusprig ausfielen, was wohl daran gelegen hat, dass der Vortag ein Feiertag war. Jetzt hieß es Sachen packen, Autos beladen, Unterkunft herrichten und noch mal im Mattes-Fanshop stöbern.
Nachdem Pater Hubert uns den Aussendungssegen erteilte war noch etwas Zeit für ein Gruppenfoto, auf dem erstmalig auch der Pater himself im Mittelpunkt stand. Es folgte eine herzliche Verabschiedung mit dem Versprechen auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr. Die Heimfahrt verlief ohne nennenswerte Geschehnisse, da der Großteil die Chance nutzte etwas Schlaf nachzuholen.
Frisch geduscht und resozialisiert trafen wir uns pünktlich zur Abendmesse in good old Kaldenkirchen, wo uns dummerweise eine Goldhochzeit die Show stahl. Aber egal, denn für uns lag nach vier Tagen Wallfahrt der Schwerpunkt des Mittwochabend sowieso eher auf lecker Essen und Trinken! Da die Familie Dinter in diesem Jahr scheinbar nicht daran interessiert war uns zu beköstigen wichen wir dieses Mal auf Poseidon aus. Auch hier schmeckte es uns gut, allerdings war das Ambiente durch die vielen kleineren Tische nicht ganz so familiär, wie wir es gewohnt waren. Dennoch klang die Trierwallfahrt gemütlich aus.
„Ich bin der Herr, dein Erlöser, der dich auf deinen Weg führt!“, so die Jahreslosung 2006. Und mit Sicherheit wird uns dieser Weg im nächsten Jahr wieder zum Grab des hl. Apostels Matthias nach Trier führen.
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