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Meine Reise in die Republik Moldova 2008
vom 13. bis 18. August 2008
von Regina Weiß
Am Morgen des 13. August reisen Christine Hendrix, Petra Herzel, Paul Heribert Hüther, Siegrid Schmacks, Hans Josef Schmacks und Regina Weiß in die Republik Moldova. Für Heribert Hüther und Regina Weiß ist es die vierte Reise, alle anderen reisen zum ersten mal in dieses für sie unbekannte Land.Um 18,36 Uhr Ortszeit landen wir in Chişinău. Beim verlassen des Flugzeuges schlägt uns eine große Hitze entgegen. Hier in der Moldau zeigt das Thermometer 36 bis 38 Grad. Wolkenlos ist der Himmel und die Sonne strahlt.
In der mit Menschen gefüllten Halle treffen wir schnell auf Pater Kniffki und Vladimir Nadkrenitschnii, die uns froh willkommen heißen.
An der Kirche in Stăuceni begrüßen uns einige Freunde. Elena überreicht mir drei rote Dahlien zur Begrüßung. Unsere Zimmer sind freundlich und durch die zugezogenen Gardinen gegen die Hitze abgedunkelt. Wir erfrischen uns etwas und treffen uns mit Müllers, Pater Kniffki und Pater Vivian zum Abendessen. Hier überreiche ich Pater Kniffki die Mappe mit den Segenswünschen unserer Gemeinde, unser Geldgeschenk und die Clemenskerze. Er dankt uns und bittet, Alle und Jeden herzlich zu grüßen.Der Vollmond leuchtet hell, Frösche quaken laut, ein wunderschönes Zikadenkonzert erfüllt die Nacht, Hunde bellen da und dort. Diese Nacht verläuft recht lebhaft.
Donnerstag besuchen wir nach dem Frühstück den Kindergarten in den unteren Räumen. Wegen der Ferien sind nur wenige Kinder anwesend, die sich gerade draußen auf dem kleinen Spielplatz vergnügen. Ein kurzer Besuch führt uns in die Sozialstation. Ein älterer Mann wartet im Rollstuhl auf seine Behandlung. Wir schauen in die verschiedenen Räume. Alles ist sauber und freundlich, ebenso die drei Caritasschwestern.
Um halb zehn fährt Vladimir Nadkrenitschnii, der Vorsitzende von der moldawischen Hilfsorganisation “Pro Umanitas” mit dem Auto vor, um uns abzuholen. Mit ihm kommen Pastor Daniel Medveş aus Grigorauca und eine Projektleiterin von Pro Umanitas, Cristina Burucenco. Alle drei sprechen gut Deutsch, so dass eine Unterhaltung mühelos möglich ist.
Ein und eine halbe Stunde Richtung Norden humpelt das Auto. Die Fenster sind weit herunter gelassen und der erfrischende Fahrtwind durchweht uns kräftig. Dennoch schwitzen wir ohne Unterlass. Vladimir führt eine Kühltasche mit kaltem Wasser mit.
Ja Wasser dieses kostbare Gut schätzen wir in diesen heißen Tagen besonders. -
An den Straßenrändern grasen einzelne Kühe oder Ziegen. Immer wieder bieten Menschen Haufen von Melonen, Obst und Gemüse zum Kauf. Pastor Daniel erzählt uns, das die Rente der Menschen nur 65 Lei ( 5 € ) beträgt. Viele Leute haben keine Arbeit, oder erhalten für ihre Arbeit keinen Lohn. So verkaufen sie alles, was sie aus ihren Gärten ernten, um irgendwie zu überleben.
Wir halten an einer Safaristation. “Passt auf was jetzt passiert!” sagt Vladimir. Er fährt auf diesen großen Vorplatz und schaltet den Motor ab. Ganz von alleine rollt das Auto geräuschlos Richtung Straße zurück. Ein Magnetfeld!
Weite Wiesen auf denen wenige, aber große Kuhherden weiden, oder Pferdeherden äsen, locker bewachsene Maisfelder, dichte Sonnenblumenfelder, Obstplantagen und Rübenfelder säumen unseren Weg. Auf einer weiten Wiese steht sogar ein einsamer Storch.
Schon von weitem sehen wir den großen, im Auftrag von Pro Umanitas durch eine kanadische Firma gebauten 80 Meter tiefen Brunnen von Grigorauca. Welch großer Segen diese Wasserqualität jetzt für die Bevölkerung ist ! ! !
Wir fahren vorbei an den Dörfern Mihailovca und Petrovca, in diesen Nachbarorten von Grigorauca baute Pro Umanitas bereits Kindertagesstädten für verwaiste und mittellose Kinder und Jugendliche.
In Grigorauca empfängt uns Pastor Daniel in seinem angenehm kühlen Pfarrhaus. Im Zimmer läuft ein großer Ventilator. Der Tisch ist liebevoll mit einem Strauss langstieliger, dunkelroter Rosen aus seinem Garten geschmückt. Kühle Getränke und Knabberzeug stehen bereit. Wir laben uns daran und fühlen uns bei diesen freundlichen Menschen sehr wohl. Der Bürgermeister des Ortes begrüßt uns freundlich.
Wir besuchen die kleine, saubere Kirche „Maria Geburt“, gleich neben dem Pfarrhaus. Auch die Sakristei mit den schönen Priestergewändern dürfen wir anschauen. Wir singen im Kirchenraum zwei Lieder zum Lobe Gottes und der Gottesmutter.
Links neben dem Pfarrhaus befindet sich die Suppenküche. Grigorauca zählt 1500 Einwohner. In den drei von Pastor Daniel betreuten Gemeinden um die größere Stadt Singeri, leben 270 katholische Familien.
Petra, Christel und Heribert besuchen mit Pastor Daniel eine Kindertagesstädte im nahen Petrovca, dass zu Pfarrer Daniels Gemeinde gehört. Siegrid, Josef, die Dolmetscherin und ich fahren mit einer Caritasschwester zu verschiedenen notleidenden Menschen.
Die erste alte Frau, sie ist 75 Jahre alt, lebt völlig alleine. Sie leidet an Epilepsie. Ihr hilft die Caritas die Wohnung zu säubern, versorgt sie medizinisch und mit Lebensmitteln. Das Mittagessen bekommt sie jeden Tag aus der Suppenküche, gleich neben dem Pfarrhaus. Die Wohnung ist eng, aber sauber.
Über sehr holperige Sandwege fahren wir zu einer 78 jährigen Frau. Ihr Mann starb vor 13 Jahren. Ihre Rente ist sehr gering. Sie muss alle anfallenden Arbeiten im Haus und im Garten selbst erledigen. Zum Einkaufen fährt sie mit dem Bus nach Singeri. Für den Winter kauft sie Holz zum heizen des Ofens. Ihre Tochter ist vergewaltigt worden und seitdem hat sie ein psychotischesTrauma. Eine Therapie hat nichts gebracht. Der Sohn arbeitete in Russland, um Geld für die Familie zu verdienen. Dort wurde er überfallen und heftig gegen eine Hauswand gestoßen. Er war sehr schwer verletzt und ist seitdem Invalide.
Durch Überschwemmung des Hauses bei starken Regenfällen, ist der Fußboden sehr marode. Sie braucht dringend einen neuen Fußboden.
Während der ganzen Zeit sitzen Tochter und Sohn vor sich hin starrend auf einem Sofa, das seitlich von uns steht. Beim Verabschieden reichen wir auch ihnen die Hand, die sie etwas erschreckt nehmen.
Weiter geht´s über viele Schlaglöcher zu einer blinden, achtzigjährigen Frau. Sie hatte zwei Kinder. Der Sohn ist verstorben. Sie erblindete, nachdem ihr Mann und ihr Sohn gestorben waren. Die Tochter heiratete einen Alkoholiker, der sie immer nur schlug. Sie hat psychische Probleme und ließ sich scheiden. Nur die Caritasschwestern helfen dieser Frau. Die Wohnung ist klein, aber recht sauber. Das Essen bekommt sie von der Suppenküche.
Wir besuchen ein noch eine weitere Familie und alle finden sich wieder bei Pastor Daniel zum leckeren Mittagessen ein.
Anschließend sehen wir die kürzlich eingeweihte Kindertagesstätte “Heilige Maria” links im Rathaustrakt. Der Bürgermeister des Ortes überließ Pro Umanitas diese leer stehenden Räume des Rathauses umsonst, nur die Renovierungskosten mussten sie selbst tragen. Das große Gartenstück neben der Tagesstätte dürfen die Kinder ebenfalls nutzen. Mittellose Studenten, deren Studium Pro Umanitas finanziert, bearbeiten den Garten umsonst und helfen Pro Umanitas auch bei verschiedenen anderen anstehenden Arbeiten.
Alle diese Kinder und Jugendlichen denen wir hier begegnen, wären sonst auf der Straße. Ihre Eltern arbeiten im Ausland, die Großeltern sind mit der Aufsicht der Enkelkinder überfordert, manche sind Alkoholiker, manche Kinder sind verwaist. Pro Umanitas sind diese mittellosen und verlassenen Menschenkinder der moldawischen Dörfer ein großes Anliegen und ist bestrebt, noch weitere solcher Einrichtungen in den verschiedenen Dörfern zu errichten, um möglichst vielen Kindern und Jugendlichen ein ihre Talente förderndes Obdach zu geben. Mögen doch viele Menschen diese Projekte finanziell unterstützen.
An der Gartentüre heißen uns ein Mädel und ein Junge in moldauischer Tracht mit einem runden Weißbrot und einer Schale Salz herzlich willkommen.
Gleich hinter der Türe des Einganges stehen Pantoffeln bereit. Für die Damen in rotem Muster, für die Herren in blau. Aus hygienischen Gründen darf keiner diese Stuben mit Straßenschuhen betreten. Von einem langen, schmalen Flur gehen seitlich verschiedene schmale Räume ab. Wir erleben freundliche, helle Stuben, in denen frohe junge Menschen werkeln. Wir begegnen einer Handarbeitsgruppe, einer Gruppe die englisch lernt, Jungen die Holzfiguren aussägen und bearbeiten, andere die sich mit elektronischen Arbeiten beschäftigen, eine Gruppe, die am Computer arbeitet und zuletzt betreten wir einen Raum, in dem Musik und Tanz gepflegt wird. Alle Gruppen werden von einem jungen Lehrer oder einer Lehrerin bei den verschiedenen Arbeiten begleitet.
Im geräumigeren Musikzimmer spielt uns ein etwa Zwölfjähriger Junge auf der Orgel „Ihr Kinderlein kommet” vor. Dieser talentierte Junge spielt auch die Kirchenorgel bei den Liturgiefeiern. Jetzt folgen verschiedene Gesangsvorträge und Tanzvorführungen. Die Mädchen sehen in den farbigen, aus billigen Stoffen selbst genähten Kleidern wunderhübsch aus und bewegen sich graziös zu den Klängen der Musik. Pastor Daniel animiert uns zum mit tanzen. Die Stimmung ist fröhlich und sehr herzlich.
Draußen im Garten, unter zwei hohen Bäumen sind Studenten mit dem nun beinahe fertigen Bau einer kleinen Lourdes Grotte beschäftigt. Hier hinein ist seitlich eine kleinere Grotte gehöhlt, in die unsere aus Kevelaer mitgebrachte Mutter Gottes Statue gestellt werden soll. Ein Wasserfall soll seitlich über die grob gestalteten Felsen plätschern, von einer kleinen Lampe beleuchtet.
Wir beten gemeinsam ein Ave Maria.
Die Abendmesse feiern wir um 19 Uhr mit Pater Vivian in Stăuceni. Diese kleine Kirche, die im kommenden Jahr 10 Jahre besteht, braucht dringend einen neuen Anstrich.
An manchen Stellen haben Frauen versucht, die Wände abzuwaschen. Dadurch ist der Zustand nur noch schlechter geworden. Die neuen, sehr einfachen Bänke, passen gut in diesen Raum. Unsere aus dem St. Clemensheim haben ihren neuen Platz in der Kirche in Orhei gefunden, da sie aus dem gleichen neu gotischen Stil sind, wie jene Kirche. Der Altar, der Ambo, Tabernakel und das Kreuz aus St. Clemens behalten hier ihren Platz weiterhin.
An der Kirche haben sich einige Jugendliche zur Fußwallfahrt nach dem 49 km entfernten Orhei versammelt. Ein geschmücktes Kreuz steht bereit. Der Vollmond erhellt die Nacht. Die Grillen geben ihr schönstes Konzert.
Am Freitag morgen dem 15. August versammeln wir uns nach dem Frühstück mit anderen Leuten des Ortes vor der Kirche und warten auf den großen Bus, der uns zur Einweihungsfeierlichkeit der Kirche „Maria Himmelfahrt“ nach Orhei bringen soll. So manchen gibt es froh zu begrüßen, bevor wir einsteigen.
Es ist heiß und wir schwitzen wie die Weltmeister. Der hohe Bus fährt langsam vor, wobei er die unteren Äste der die Straße säumenden Walnussbäume kräftig streift. Der Busfahrer schaltet die Klimaanlage ein. Das ist wunderbar!
Die restaurierte Kirche ist wirklich schön geworden. Die Helme blitzen in der Sonne. Der gelbe Stein der Mauern leuchtet hell. Viele Menschen sind bereits eingetroffen. Im nebenan liegenden Pfarrhaus wirken die Frauen eifrig bei der Zubereitung der Speisen.
Stellwände mit Bildern des Werdegangs dieser neu gotischen Kirche stehen auf dem noch nicht fertig angelegten Kirchengelände. Der Weg vom Pfarrhaus zur Kirche ist mit weißen Schottersteinen aus der Gegend belegt. Unter diesen Steinen finden wir viele Fossilien, Muscheln.
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Wir betreten das helle Gotteshaus. Pater Kniffki empfängt einige kleine Fußpilgergruppen. Sie beten, er segnet sie und sie ziehen wieder hinaus. |
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Wir betrachten die helle Kirche von allen Seite und freuen uns sehr, das die von Josef Schmacks gestifteten Bilder hier so schön ihren Platz gefunden haben. Der Schmerzensmann hängt links neben dem Portal, die Schmerzensmutter rechts. |
Altar und Ambo sind aus rötlichen Marmor schlicht und schön gearbeitet.
Ein großes Holzkreuz hängt im Chorraum. An der linken Seite der Kirche steht eine Muttergottesfigur mit Kind im blauen Mantel, rechts befindet sich der Tabernakel. Blumenschmuck an verschiedenen Stellen. An den Seitenwänden hängen ansprechende Kreuzwegstationen, darunter die kleinen Apostelkreuze aus Holz. Unsere Kirchenbänke sind gereinigt und neu aufgefrischt worden und schmücken diese Kirche auf ihre Weise. Auf der Orgelempore befindet sich eine kleine Orgel aus Kamp Lintford. Die schützende und schmückende Balustrade fehlt noch. Der gespendete Leuchter der Maria Müller schmückt die Kirche angenehm.
Wir müssen die Kirche wieder verlassen, denn sie wird abgeschlossen. Nur Christel, Petra und wenige alte Frauen dürfen ihre Plätze beibehalten. Draußen überfällt uns wieder die Sonnenhitze und die meisten Menschen stellen sich unter die Schatten spendenden Bäume. Immer wieder treffen neue Gäste ein. Der Bischof fährt im Auto vor wird von Brot und Salz darbietenden Jugendlichen empfangen.
Den aufmerksamen Blicken der gegenüber stationierten Polizisten entgeht nichts. -
Die Menschen drängen nahe beieinander. Jeder möchte gut sehen können. Mit einem Blumenstrauß, den er vor dem Altar niederlegt, zieht der Bischof mit seinem Gefolge in die Kirche ein. Es dauert eine geraume Weile, bis alle wieder hinaus kommen. Nun wird die Kirchentüre verschlossen und die Zelebranten gehen zur Sakristei. In prächtigen, Gold durchwirkten Gewändern ziehen sie um 12 Uhr mittags von rechts kommend, mit einem Kreuz vor das Kirchenportal. Das Weihwasser wird gesegnet, mit dem die ganze Kirche von außen rundherum tüchtig besprengt wird, ebenso Priester und Gläubige. Es wird gebetet, gesungen und geschwitzt.
Bischof Coşa klopft mit seinem Hirtenstab an das Portal. Die Türe wird geöffnet. Der Bischof und sein Gefolge ziehen in die Kirche ein. Die Gläubigen drängen nach. Nicht alle finden einen Platz. Die Zeremonie nimmt ihren Lauf. Pater Kniffki erzählt in rumänischer Sprache den Werdegang dieser Kirche. Ein Dolmetscher überträgt alles für die russisch sprechenden Menschen.
Das Licht wird gesegnet und der große Leuchter erstrahlt in seinem Glanz. Dann folgt die Weihe des Altares. Die Reliquie des heiligen Nikolaus von der Flüe wird eingelassen. Vier Kreuze zeichnet Bischof Anton Coşa mit Chrisam auf die Ecken des Altartisches und verreibt anschließend die ganze Fläche mit diesem Weiheöl. Während auf dem Altar eine Weihrauchschale ihren Duft in den Raum verströmt, beräuchern zwei Priester im Auftrag des Bischofs nun die seitlichen Apostelkreuze unter den Kreuzwegstationen mit einem großen silbernen Weihrauchfass.
Nun wird der Altartisch mit einer schön gearbeiteten Spitzendecke, zwei Marienkerzen zur linken und zur rechten mit unserer mitgebrachten Clemenskerze geschmückt. Während der Zeremonien singen und beten Bischof, Priester und die Gemeinde. Nach der Kommunion wird der Kelch mit den Hostien in einer Sakramentsprozession zum Tabernakel an der rechten Seite getragen.
Vor dem Segen erhält die Mutter Gottes Statue an der linken Seite des Kirchenraumes ihr Zepter. Eine Sängerin begleitet diese Zeremonie mit einem kräftigen „Ave Maria“.
Zwei ein halb Stunden dauert dieser festliche Gottesdienst. Die Hitze macht allen zu schaffen.
Am Ende der Messfeier dankt Pater Kniffki allen für alles. Der Bischof hält seine Dankrede und lobt Pater Kniffkis Mühen. „Hätten wir nur mehr solcher Priester,“ meint er. Nach dem Segen werden alle zum Festmahl ins nebenan gelegenen Pfarrhaus geladen.
Viele farbenfrohe, leckere Speisen stehen auf den Tischen. Bischof Coşa nimmt an der Stirnseite Platz. Der Polnische Botschafter, der Deutsche Botschafter mit seiner Gattin, Pater Kniffki, seine Verwandten, der orthodoxe Bischof mit drei Begleitern, die Nachkommen der Stifterin der Kirche Maria Himmelfahrt, wir und einige weitere Gäste nehmen im vorderen Raum Platz.
Die jungen Mädchen aus Stăuceni bedienen eifrig die Gäste, und helfen überall mit, trotz ihrer von der Nachtwanderung müde gelaufenen Füße.
Samstag besuchen wir Chişinău. Abends gegen 18 Uhr fährt Pater Vivian uns in das ein ein viertel Stunde entfernte kleine Dörfchen, Trebujeni, nahe Orhei vechi, direkt am Răut gelegen. Diese holperigen Straßen, den kräftigen Fahrtwind lieben wir bereits. In den vielen Höhlen dieses Gebirgszuges finden Ausgrabungen statt. Am Ziel treffen wir mit Pater Kniffki, seiner Schwester und Schwager, einem fröhlichen Priester aus Lörrach, Herrn Klein und einem weiteren Ehepaar aus Österreich zusammen. Wir besuchen ein so genanntes Bauernkaffee. Diese Art Restaurant, irgendwo in der ländlichen Einsamkeit, nimmt hier in der Moldau sehr zu. Es ist eine neu entdeckte Einnahmequelle für die Menschen hier.
Wir sind überrascht über den großen, farbenprächtigen Blumengarten, der voll roter hoher Astern und silberweißen Wolfsmilchblüten erfreut. Nachdem wir die Gastleute begrüßt haben und Christel den kleinen schwarzen Hofhund liebevoll gekrault hat, gehen wir hinunter zum Fluss Răut. Das Wasser ist sandig gelb braun. Ein kaputter Kahn liegt am Steg.. Wir gehen ein Stück zurück und nehmen Platz auf einer mit Strohdach überspannten, etwas erhöhten Holzterrasse.
Ein langer Tisch ist liebevoll für uns gedeckt. Junge Mädchen tragen verschiedene leckere Speisen auf. Wir setzen uns auf die langen, mit einer bunten Decke belegten Holzbänke und ein lustiger Abend beginnt. Während das Hauptgericht serviert wird, bringt die Chefin selbst den Maiskuchen. Mit einem weißen Zwirnsfaden teilt sie ihn kreuzförmig von unten her in viele kleine Stücke. Dieses ist ein Segensritus, der über das Essen gezeichnet wird. Nachdem das Hauptgericht aufgetragen wurde, kommen vier junge Mädchen in moldawischer Tracht gekleidet und tragen uns fröhliche Volkslieder vor. Etwas später tanzen sie einen Volkstanz und gleich darauf werden wir zum mit tanzen animiert. Keinen lassen sie aus.
Später gibt es Kaffee oder Tee. Der Mond steigt orange leuchtend groß zwischen dem weiten Bergtal auf.
Etwa 20 € zahlen wir jeder für diesen Abend, denn die Mädchen sollen für ihren Gesang auch etwas erhalten. Sie stammen aus dem Ort und freuen sich, auf diese Weise ein wenig Geld zu verdienen.
Bei der Rückfahrt trägt die kühlere Temperatur und der frische Nachtwind sehr zu unserem Wohlbefinden bei.
Sonntag feiert Pater Vivian die heilige Messe. Voll ist diese kleine Kirche nicht. Nach der Messfeier begegnen mir viele gute Freunde.
Mit Petra und Nicolae besuche ich die 82 jährige Nina. Sie kann nicht mehr gehen und somit ihre Wohnung auch nicht mehr verlassen. Nina freut sich sehr. Ohne die Caritasschwestern und Pater Klaus und Vivian, wäre sie ganz alleine und ohne jede Hilfe.
Wir sind alle bei einer befreundeten Familie zum Essen eingeladen. So stapfen wir durch die brennende Mittagshitze. Der Weg zieht sich hin und nachdem die Straßen nicht mehr von den schattenspendenden Bäumen gesäumt werden, brennt uns die heiße Sonne so richtig auf den Körper.
Sehr herzlich werden wir in diesem so liebevoll und gemütlich gestalteten Haus empfangen. Wir nehmen auf mit dünnem Stoff bezogenen, ansonsten sehr alten Stühlen Platz und erfrischen uns mit bereitstehenden, kühlen Getränken. Mit selbst gemachten Kirchlikör stoßen wir auf diesen Besuch an. Es gibt frische Tomaten, Melonen,
Käse, kleine Pizzen, kleine Kuchen und manches mehr. Helle Gardinen zieren die Fenster. In der Küche gibt es eine gemütliche Essecke. Eine Pressholzplatte schnitt die Hausfrau oval zu, und hat so mit einer hübschen Tischdecke überdeckt einen schönen Esstisch. Von dem Unterteil eines alten Schranks fertigte sie eine Eckbank, auf die sie aus den gleichen Stoff wie die Tischdecke einen Kissenbezug nähte. Für die Wandlehne nähte sie ein eben solches Kissen, das an einer Holzgardienenstange befestigt wurde. Viele Ideen hat sie und viel Geschick, aus einfachen Mitteln ein gemütliches Zuhause für ihre Familie zu schaffen. Sie arbeitet im Kindergarten. Ihr Mann ist als Nachtwächter im Haus Stefanus angestellt. Zwei Töchter haben sie. Mariana hat ein Sozialpädagogisches Studium erfolgreich abgeschlossen und wird jetzt für 1 Jahr im Haus Stefanus die Obdachlosen Menschen irgendwie zu motivieren versuchen damit diese ihr Leben wieder in die Hand nehmen.
Aus dem Garten erntet die Familie Gemüse und Obst.
Später wollen wir zum „Haus Stefanus“ gehen. Ich nehme die noch restlichen T-shirt und das Paar weiße Mädchenschuhe und gehe hinaus. Draußen kommen einige Mädchen herbei. Ich zeige ihnen meine Sachen und frage, ob sie für ihre Familien etwas davon gebrauchen können. Erst sehr vorsichtig, dann auf meine Ermunterung hin zutraulicher, suchen sie sich etwas aus. Julia probiert die Schuhe an. Sie passen. Zuerst ungläubig vorsichtig, dann munterer werdend hüpft sie herum und singt, sie passen, sie passen mir, tatsächlich sie passen mir. Sie erkundigt sich noch einmal, ob sie jetzt wirklich ihr gehören, was ich bestätige. Die Mädchen freuen sich so sehr, bedanken sich froh, und springen glücklich davon.
Larisa, ist die resolute Leitern mit viel Herz dieses Obdachlosenheimes. Sie erzählt uns über ihre Arbeit und das Haus Stefanus, was der inzwischen eingetroffene Pater Kniffki ins Deutsche übersetzt. Wir besichtigen das saubere Haus mit der freundlichen Einrichtung.
Die ersten Bewohner treffen während unseres Gespräches ein. Auf dem Tisch liegen von Josef, Petra und Christel mitgebrachte Kleidungsstücke. Larisa passt einigen Leuten etwas an, was diese vorsichtig geschehen lassen und dann freudig annnehmen.
Bei Pater Kniffkis Haus sitzen wir im Garten neben dem Hühnerstall unter einem Apfelbaum und laben uns am kühlen Wasser. Tatiana und Peter Juriev vom Deutschen Kulturzentrum „Hoffnung“ kommen, um uns zu begrüßen. Sie waren mit Jugendlichen in der Ukraine zu einem Austauschferienlager.
Montag früh klopft Petra kräftig um halb zwei an die jeweiligen Zimmertüren und verkündet fröhlich, dass es Zeit sei aufzustehen. Sie hat kein Auge zugetan. Wirkt aber munter wie ein Fisch. Während wir eine rasche Morgentoilette halten, bereitet sie doch einen Kaffee, den wir uns zum Abschluss schmecken lassen. Bald darauf kommt Pater Kniffki, um uns zum Flughafen nach Chişinău zu bringen.
Er bedankt sich für alles und bestellt Grüße an alle. Vorsichtig meint er, es würden immer Gelder für den Unterhalt der Suppenküche und des Kindergartens gebraucht, aber auch sonst gäbe es noch viel zu tun.
Um 10 vor 12 Uhr empfangen uns unsere Lieben am Kaldenkirchener Bahnhof. Wir sind alle glücklich, wieder daheim zu sein.
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