„Heilsbotschaft bringe ich Euch eine große Freude, die dem ganzen Volk widerfahren wird:
Ein Retter ward Euch heute geboren“ (Lukas 2,10-11)

Pater Klaus Kniffki svd
Steyler Missionare
Str. Livezilor 34
MD-2050 Chişinău Stăuceni
3. Advent 2005
Republik Moldova
Liebe Freunde,
wieder feiern wir Weihnachten und wieder beglückwünschen wir uns ob des Retters der Menschen.
Mensch wurde ER, um konkret, eben als ganzer Mensch, mit uns zu leben. Dabei bietet er sein Heil an, die „große Freude“ einer neuen Zukunft. Wird sie ein Stück weit wahrer durch Weihnachten 2005 ? Gott gebe es.
Hier in der Republik Moldau dauert die „Transitperiode“ nach dem ruhmreichen Sowjetexperiment nun schon lange 15 Jahre. „Übergangsperiode“ in eine hoffnungsvolle Zukunft? Am Ende soll etwas Neues und viel Besseres stehen. Wer soll es heraufführen? Das sozialpolitische Problem Nr. 1 bleibt der weiter anhaltende Exodus der arbeitsfähigen, kreativen und intelligenten jungen Menschen. Legal oder illegal mit allen Mittel flüchten sie aus dem Land, das ihnen keine Hilfe zum menschenwürdigen Leben ist. Über eine Million sind es, die Mehrheit Frauen, meist schon verheiratet und mit Kindern. Die aber bleiben zurück bei den jungen Vätern und Großeltern, die ihrerseits überfordert mit der Kindererziehung, allein gelassen, sich dem Alkohol ergeben und oft mit der Scheidung konfrontiert sind. Kurzfristig scheint es dem Land gut zu gehen: 1 Milliarde Euro wird jährlich von ihren Gastarbeitern zurückgeschickt. Tag für Tag kommen immer mehr Wohlstandsartikel ins Land, allen voran die neuesten Westautos. Nur wenig wird investiert und exportiert. Langfristig läuft das alles auf eine Katastrophe zu: das Land entvölkert sich, schon ein Viertel der zwischen 16 bis 40 Jährigen sind abwesend, die Geburtenrate sinkt dramatisch, das Land altert sehr schnell. Und weh der Familie, die bis jetzt noch niemanden ins Ausland losschickte. Wer kommt von all denen wieder zurück? Wer hält die auseinanderbrechenden Familien zusammen? Schon sind zwei, ja sogar 3 Generationen von Emigranten im Ausland geboren. Sie haben keine Bindungen mehr zur Moldau. Nach noch weiteren wenigen Jahren wird das Land ohne junge Bevölkerung sein.
Die Regierung interessiert sich nicht für das Zurückkommen der Ausgewanderten. Sie kann ihnen keine Arbeit anbieten. Und schafft auch nicht die Anreize, dass die zurückgeflossenen Milliarden Euro investiert werden. Ausländische Investoren kommen kaum: das einheimische Fachpersonal ist weg, bürokratische Prozeduren sind völlig überzogen, die Gesetzgebung oft miserabel und ständig sich ändernd und als „Sahnehäupchen“: die in Mentalität, Rethorik und Handeln organisch-biologisch waschechte kommunistische Regierung mit pathetischem EU-Beitritts-Vokabular, aber ohne Vertrauen bei der Bevölkerung, die angewidert von der Politik schon drei Wahlgänge für die Oberbürgermeisterwahl der Hauptstadt Chisinau verstreichen ließ. Drei der vier Oppositionsparteien, die seit Jahren die KP bekämpften, haben dem kommunistischen Präsidenten im März zu seiner zweiten Amtsperiode verholfen! Ich sehe keine einzige kraftvolle, moralisch integre und politisch vertrauenswürdige Persönlichkeit.
Was hält uns beide, Pater Vivian und mich, in diesem Land?
Es sind die jungen Leute, die Kinder. In sie haben wir nun seit bald 10 Jahren eine Menge investiert: in ihre Schul- und Weiterbildung, in ihre menschlich-geistliche Formung als Christen. Noch sind sie hier einfach weil sie noch nicht ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Werden sie aber bleiben, ihrem Land auf die Sprünge zu helfen, mit christlichem, neuen Geist beseelt ... ?
Große Unterstützung bei dieser mir manchmal zu schwierigen Aufgabe habe ich erhalten: Seit dem 5. Oktober haben sich die zwei Steyler Missionsschwestern Davida und Juliana in unserer Filialgemeinde in der Stadt Orhei (40 km entfernt) niedergelassen. Sie beginnen sich um die dort wenigen Katholiken zu kümmern. Und eine neugotische restaurierungsbedürftige Kirche aus dem Jahre 1915 ist auch dort in Orhei. 1946 war sie in einem Sportsaal umfunktioniert worden. Im Moment hat sie wenigstens Türen, Fenster und Dach. Die beiden Türme sind kaputt. Die Kirche ist klein. Das Pfarrhaus fehlt ganz. Das Kulturministerium hat uns dieses Kulturdenkmal zurückerstattet auf „nichtbegrenzte Zeit“. Wir werden sie restaurieren, wenn es der Wille Gottes ist und sich Spender finden lassen. Ich frage mich: ob sich das von mir so genannte „Wunder von Stauceni“ wiederholen wird: Baue eine Kirche und, siehe: sie füllt sich mit Gläubigen !?
Liebe Freunde, ich beende meinen Brief. Ich habe mich getraut, Euch ein Stück in meine moldauische Sorgen- und Freuden-Welt hineinzunehmen. Und da sage ich jedem und jeder von Euch ein von ganzem Herzen kommendes Danke für jegliche Unterstützung, die ich für mein Leben und Arbeiten im Einsatz für Christus und Sein Reich hier vor Ort erfahre.
Wem darf ich nicht alles Danke sagen! Es sind viele, dem Himmel sei Dank. Einige haben mich hier besucht und einen persönlichen Einblick in das Leben der Menschen genommen. Zu einem solchen Besuch möchte ich jeden und jede (wieder) einladen! Die Reise ist nicht zu beschwerlich: nach vier Jahren „kommunistischer Unterbrechung“ gibt es sie wieder, die direkte Flugline Chisinau-Frankfurt.
Vieles Gute durfte ich tun, dank IHM und Euerer tatkräftigen Hilfe. Und ich verspreche auch weiterhin, Eure Spenden in wirksame Hilfen zum Besten der am meisten Notleidenden umzuwandeln.
Gottes Frieden zum Geburtsfest Seines Sohnes sei mit Euch!
Ein gelungenes Neues Jahr in Gesundheit und Zufriedenheit wünsche ich.
Es grüßt ganz herzlich Klaus Kniffki