Kirchenchor Cäcilienfest 2009

6 Jubilare, 295 Jahre Singen im Kirchenchor Cäcilia

In den November – und Dezembertagen meistert der Kirchenchor stets ein umfangreiches Programm.Zunächst galt es, das Cäcilienfest am Freitag, dem 20. November 2009 zu feiern. Im Convent war der Chor fast vollständig vertreten. Nach einem kräftigen Essen widmete man verdienten Jubilaren eine große Aufmerksamkeit. Auf der Bühne standen zur Ehrung 6 Jubilare mit immerhin 295 Jahren Mitgliedschaft im Kirchenchor Cäcilia der St. Clemens Pfarre. Eine solche Massierung von hochkarätigen Jubiläen ist auch für den großen Kaldenkirchener Chor ungewöhnlich.
1954, wahrscheinlich beflügelt durch den „Glücksschrei“ anlässlich der Fußballweltmeisterschaft durch Deutschland sind Herr Hubert Janz und Herr Hermann Nieskens in den Knabenchor eingetreten. Im gleichen Jahr hat Herr Willi Rütten mit dem Schiebewind der musikalischen Familie den Weg in den Chor gefunden.   1959 kamen Herr Heinz-Gerd Flügels und 1969 Frau Bärbel Mertens und Herr Helfried Kamps zum Chor. Alle Jahre waren glückliche Aufnahmejahre für Mitglieder, die sich als besonders treu und standhaft herauskristallisierten, wie man jetzt sehen konnte.  
Die Jubiläumsmassierung in diesem Jahr ist der Ausdruck von außergewöhnlichen Lieben. Es ist die Liebe im Dienste der Liturgie, es ist die Liebe zum Singen und es ist die Liebe zu einer seit deutlich mehr als einem Jahrhundert aktiven kirchlichen Gemeinschaft, dem Kirchenchor St. Cäcilia.
Die Jubilare haben während der Chormitgliedschaft den elektronischen Medien wie dem Rundfunk, der Schallplatte, dem Fernsehen und dem Tonband deutlich stärker getrotzt als ihre Mitmenschen. Musik ist dort ganz einfach verfügbar. Sie haben sich aber viele Jahrzehnte, Freitag für Freitag, dafür entschieden, Musik und Gesang im Verein mit Freunden selbst zu erarbeiten. Dies ist ungleich schwieriger, aber es beseelt mehr und es hat sie alle logischerweise in der langen Zeit der Zugehörigkeit zu großem stimmlichen Können geführt. Bei den Auftritten, insbesondere an den Festtagen, können sich der Dirigent und die Sangesnachbarn auf ihre Stimmsicherheit verlassen. Ihr konstantes Besuchen der Proben hat dazu geführt, dass sie ein umfangreiches Repertoire von Messen, geistlichen Liedern und sonstigen Gesangsstückchen  praktisch im Schlaf beherrschen.
Unbestritten ist die Tatsache, dass Menschen, die gerne singen, besonders liebe und fröhliche Menschen sind. Das trifft auf alle Jubilare zu. Unbestritten ist auch, dass langjährige Singproben mit zugegebenermaßen einigen lästigen Ordnungszwängen positiv auf die Entwicklung der Persönlichkeit wirken, d.h.  man wird standfest, kommunikationsfreudig, witzig, ist kaum aus der Ruhe zu bringen und ist strebsam im Chor. Alles das trifft auch auf sie zu.

Z. B. Herr Hubert Janz ist 55 Jahre  aktives Mitglied. Er war  jahrzehntelang ein sehr umsichtiger Vorsitzender des Chores. Er hat den Chor würdig nach innen geführt und erfrischend nach außen vertreten. Das Jubiläum 125 Jahre Kirchenchor fiel in seine Vorstandszeit. Der Kirchenchor und Hubert Janz waren und sind im Grund auch heute noch ein Begriff in Kaldenkirchen. Eine wahrhaft starke Leistung. Herr Janz war zudem ein  unvergessener und verdienstvoller Initiator des Orgelbauvereins und ist heute noch ein toller Solist mit der Stimme und manchmal mit der Gitarre.
Herr Hermann Nieskens ist 55 Jahre Mitglied. Er stand im Laufe der Jahrzehnte bei vielen Aktivitäten des Chores immer wieder mitten drin in der Chorverantwortung. Kassierer, Vortourenspezialist, Programmgestalter bei den Festen und Einheizer im Vergnügungsausschuss.  Sein großer Einsatz war von allen so gewünscht und gewollt, weil  man ihn eben mag.
Herr Willi Rütten ist ebenfalls 55 Jahre Mitglied. Er ist ein noch leuchtender Stern der großen Kirchenchorfamilie Rütten. Alle aus seiner Familie konnten Instrumente spielen und singen und das im Kirchenchor. Auch für ihn mit seiner musikalischen Ader war immer klar, zu diesem Chor gehöre ich, auch wenn der Berufsstress schon mal die eine oder andere Auszeit erforderte. Er hat den Bass immer gut abgestützt und mit vielen musikalischen Einlagen im Chor Freude verbreitet.
Herr Heinz-Gerd Flügels ist 50 Jahre Mitglied. Sein ständiger Einsatz für das Vergnügen und damit für die dringend erforderliche, wichtige Pflege der Chorgemeinschaft ist einmalig. Der Chor kommt dabei so ziemlich einfach in den Genuss seines Organisationstalentes. Nach 50 Jahren Mitgliedschaft steht er seit einem Jahr dem Chor vor. Diese Aufgabe hat er selbstverständlich als Ausdruck der jahrzehntelangen Verbundenheit freudig übernommen.
An dieser Stelle muss etwas gesagt werden. Alle 4 Jubilare waren einst Mitglieder des früheren Knabenchores unter Führung von Theo Dormels oder sie waren zumindest früh unter der Betreuung von Theo Dormels. Es ist ein hervorragendes Beispiel, wie heute eher sinnlos erscheinende Jugendarbeit den Menschen fürs Leben mit prägen kann.
Für Witz, Charme und Melone, aber auch für eine gute Stimme und Chortreue steht Herr Helfried Kamps, und dies seit 40 Jahren. Er hat im Laufe der Jahrzehnte mit seinen vielen aus dem Rahmen fallenden lustigen Vorträgen auf den Festbühnen des Chores Freude gezaubert.
Auch eine Dame mit langjähriger Mitgliedschaft befindet sich in der Runde der Jubilare. 40 Jahre Singen zur Ehre Gottes, Frau Bärbel Mertens. Sie ist ein Beispiel für immerwährendes Bemühen, ihre Stimmlage, auch in anderen Chören,  auf dem Laufenden zu halten und die Chorgemeinschaft durch fröhlichen Einsatz zu bereichern. Sehr vorbehaltlos und couragiert kennt der Chor sie.

Jeder Jubilar ist an seiner Stelle unentbehrlich. Angesichts solch toller Jubiläen insgesamt ist es schwer zu verstehen, dass unsere Zeit nicht gerade chorfreundlich ist. Die Jubilare empfinden offensichtlich immerhin ca. 100 ehrenamtliche Stunden im Jahr für den Dienst an der Kirchenmusik und Liturgie als angenehm. Musisches Tun und Religion ergänzen sich. Gesungen wird zum Lob Gottes. Mit ihrem jahrzehntelangen musikalischen Dienst haben die Jubilare zudem anderen Menschen viel Freude geschenkt und selbst erfahren

Die Chorgemeinschaft und die Jubilare sind sehr glücklich und freuen sich über das Erreichte ebenso wie über die Tatsache, dass die Jubilare sich alle so lange, so prägend, so kräftig und so herzlich in die Chorgemeinschaft eingebracht haben. Mitglieder aus den Reihen des Chores haben die Ehrung durch hervorragende Gesangsvorträge und Musikstücke bereichert. In der Ansprache wünschte der Präses des Chores, Pastor Benedikt Schnitzler, dass die Jubilare noch viele, viele Jahre und Jahrzehnte mit guter Stimme dem Chor zur Verfügung stehen mögen. Einen anspruchsvollen musikalischen Rahmen fand die Cäcilienfeier. Die Mainacht von Joh. Brahms, Youkal Tango Habanera, (Text: Roger Fernay, Musik Kurt Weill) wurden von Yvonne Herter als Sopranistin und Willi Rütten am Klavier vorgetragen. Sonja Prigge ergänzte das Duo mit „Mehr will ich nicht von Dir“ aus Phantom der Oper von Andrew Lloyd Webber. Schließlich spielten am Sopran-Saxophon Christina Köhler und am Klavier Willi Rütten Cantilena Celle Concerto in A-Minor von Georg Goltermann, Violin Sonata Nr. 1 von Edward Grieg Op. 8 und Oblivion von Astor Piazolla. 
Am Cäciientag wurde die Widor-Messe gesungen – anschließend gemeinsames Familienfrühstück in der Mühle -  und am Patrozinium der Clemens Pfarre neue geistliche Lieder. Am 8. Dezember um 19:00 anlässlich Maria Empfängnis wird eine Goller-Messe gesungen und zu Weihnachten am  24. Dezember 21:30 sowie am  26. Dezember 9:30 Uhr jeweils die Schnabel-Messe. Für die feierlichen von der obigen Musik unterstützten Messen wünscht sich auch Pfarrer Benedikt Schnitzler einen guten Kirchenbesuch.

Hans-Dieter Boos  

St. Clemens, Kaldenkirchen - Kehrstrasse 30 - 41334 Nettetal, - Tel. 02157/811796                                                                          © Achim Bruns